Grün wie der Frühling

Diese Socken hat meine Mutter günstig im Ausverkauf verschiedenster Fußball-WM-Devotionalien erstanden und mir geschenkt. Damit meine Füße immer schön warm bleiben. Mich erinnert ihr grasartiges Äußere an die vielen knospenden Felder und Bäume, an denen ich heute auf der Landstraße vorbei gefahren bin.  Wie schön, jetzt sprießt es sogar an meinen Füßen.

Foto: Patricia Guzman / Lifestyle Bunny

Böse Mode

Mode von Charlie le Mindu

Was Charlie le Mindu bei der London Fashion Week für Herbst und Winter 2011 präsentierte soll provozieren. Doch so richtig ärgern lässt sich das heutige Publikum nicht. Zumindest schaut die Öffentlichkeit mit interessiertem Kopfschütteln auf die Entwürfe in bösem Schwarz, unschuldigem Weiß, Blutspritzern und Nacktheit – mehr auch nicht. Alles ist ein wenig zu gewollt für meinen Geschmack, denn nicht, weil wir uns von einer entblößten Brust kaum provozieren lassen, muss jetzt Pornografie mit Fetisch und Gewalt kombiniert werden.

Was kann heute noch provozieren? Sicherlich keine Steigerung von Altbekanntem ins Unerträgliche hinein. Dadurch verwandeln sich Tabus in Klischees. Es ist eher das provokante Hinterfragen, dort, wo niemand aufmuckt, das uns als Publikum zum Weiterdenken anregt. Charlie le Mindu hat zumindest erkannt, wie wichtig es ist, auch mit Mode eine Geschichte zu erzählen, die Entwürfe in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, die er mit seinem Auftritt in Schlachterschürze bei der Show auf der London Fashion Week abgeschlossen hat. Aber wir als Publikum wollen uns nicht in Ekel ab- und dem nächsten Plausch übers Wetter beim Latte Macchiato zuwenden. Deswegen wäre beim nächsten Mal ein dezenteres Hinweisen auf die Problemzonen unserer Gesellschaft sinnvoller. Besser, man winkt uns mit leiser Kritik, als dass man uns die volle Breitseite der Provokationskeule spüren lässt.

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Himmelwärts

Plateauschuhe von Acne

Gestern habe ich tatsächlich ein halbes Ohr in Richtung Fernseher gestreckt, während ich am Rechner noch zu tun hatte. Es lief Germany’s Next Topmodel, was unsereins mittlerweile weniger interessiert als das Dschungelcamp. Und da es sich ums Ohr und nicht ums Auge handelte, schnappte ich den Begriff Sky Heels auf, ohne dass ich mir optisch davon ein Bild machen konnte. Vermutlich sollen wir Frauen jetzt den Himmel erobern, zumindest will das auch Acne so. Bei diesen Tretern hier handelt es sich um Plateauschuhe, in denen frau sich noch vorwärts bewegen kann. Manche Fantasieexemplare scheinen die Trägerin ausschließlich nach oben befördern zu wollen. An ein Weiterkommen scheinen die Designer nicht zu denken.

Foto: Acne

Verspäteter Start

Macht mich nicht blonder, aber erhellt mein Gemüt

Da begann für mich die Woche mit einem wunderbaren Umschwung zu Sonne und blauem Himmel, den mein wetterfühliger Schädel prompt mit heftigem Brummen quittierte. Jetzt hat es sich ausgebrummt und ich genieße den Frühlingsstart. Nach längerem Warten versüßt uns das Magazin Blonde wieder ein wenig die Vorfreude aufs luftig Leichte und begleitet uns durch die Zeit des Sommersprossensammelns. Weil Juniorette viel Vitamin D zum Knochenaufbau braucht, verzichte ich auf Sunblocker und trage bereits eine prächtige Tupfensammlung auf der Nase – nach langer Zeit mal wieder. Ich freu mich auf den Anblick von Mode in etwas kürzer, etwas dünner und etwas bunter. Hab zurzeit nur reichlich zu tun.

Foto: Cover Blonde, Patricia Guzman / Lifestyle Bunny

 

Die wir riefen, die Geister …

… werden wir nun nicht los. – Bei Goethe kommt dem Zauberlehrling noch sein Meister zur Hilfe. Walt Disney war 1957 ganz besonders dem Zukunftsoptimismus erlegen, der so typisch war für diese Zeit. Wer schon einmal wie ich Disneyworld in Florida besucht und sich dort das Carousel Of Progress angesehen hat, weiß, dass Disney sich fast ausschließlich auf die positiven Seiten der technischen Entwicklung konzentriert hat. Gesellschaftliche Veränderungen wie etwa Emanzipation hatte er gar nicht einkalkuliert. Und so schwingt auch in Zukunft ausschließlich die Frau bei Disney das Bügeleisen. Nur dass sie dann nicht mehr mit Hitze die Kleidung glättet, sondern per Ionenbeschuss.

Dass wir im März 2011 keine so gute Freundschaft mehr zum Atom pflegen, würde Disney vielleicht in Erstaunen versetzen. Doch bei Atomkraft handelt es sich wie beim Besen des Zauberlehrlings um eine Kraft, die wir nicht kontrollieren können. Ein merkwürdiges Überbleibsel der Zeit der Technikoptimisten ist der Film Unser Freund, das Atom bzw. Our Friend the Atom von 1957. Falls Ihr Euch beim Anblick von atomgetriebenen Flugzeugen die Augen reibt: Das hat es zum Glück nie gegeben. Aber wie weit sind wir von Disneys Denkweise wirklich entfernt? Wäre es überhaupt möglich, Atomkraft zu nutzen, wenn wir nicht bis in unsere Zeit hinein Technikoptimisten geblieben wären?

Es tut mir sehr leid, dass Japan unter einem so schweren Erdbeben gelitten hat und nun die Folgen unabsehbar sind – gerade in Hinblick auf die Atomkraftwerke an der japanischen Küste.

Oben seht Ihr den Schlussteil aus Disneys Film Our Friend the Atom. Aktualisiserung vom 25.03.2011: Disney hat das Video wegen Copyrightverletzung aus Youtube entfernen lassen.