Ein Blick zurück und ein Blick nach vorn

Ein Blick zurück und ein Blick nach vorn

 

Ich wünsche Euch ein wunderschönes Jahr 2016. Möge Euch der Wind genauso angenehm frisch um die Nase wehen, wie hier den beiden Protagonisten auf meinem Foto. Lasst Euch bitte nicht umpusten, was auch immer kommen mag. Und genießt jeden glücklichen Moment.

Foto: Lifestyle Bunny / Patricia Guzman

Die neue Frau im Pirelli-Kalender

Die neue Frau im Pirelli-Kalender

Ich gebe zu, ich hab die überdimensionale Ästhetik der Pirelli-Kalender in den vergangenen Jahren bewundert. Da räkelten sich Kurven – oh ja, der Bezug war für den Reifenhersteller wichtig – vor der Linse. Jetzt haben sich die Kurven verändert. Sie sind immer noch da. Doch sie gehören zu völlig anderen Frauen. Pirelli hat das Projekt für 2016 in die Hände der Fotografin Annie Leibovitz gelegt. Und diese bat Frauen vor die Linse, die im Leben große Leistungen vollbracht haben: die US-Comedian Amy Schumer, die iranische Künstlerin und Filmemacherin Shirin Neshat, die Punklegende Patty Smith, Tennisspielerin Serena Williams und auch Modebloggerin Tavi Gevinson. Da große Taten nicht immer mit 20 Jahren schon vollbracht sind, hat sich das Durchschnittsalter der Protagonistinnen nach oben verschoben. Sie sehen super scharf aus. Vielleicht weniger nach Pin-up, aber sehr stark.

Nun werden sicher einige sagen, dass Annie Leibovitz nicht die erste ist, die auf die Idee kam, Brühmtheiten ungeachtet ihres Alters und ihrer Figur als Calender-Girls zu engagieren. Seit einigen Jahren gilt dieser Trend gegen den Trend als schick. Um nicht in Klischees zu verfallen, musste sich Annie Leibovitz etwas einfallen lassen. Und dies ist ihr gelungen: Der Pirelli-Kalender zeigte bisher nackte oder fast nackte Frauen. Annie Leibovitz hat zunächst diese Tradition gebrochen, denn der Textilanteil hat deutlich zugenommen. Und der Stil ihrer Darstellung unterscheidet sich. Bisher räkelten sich die Frauen meist an ungewöhnlichen Orten. Doch im Liegen mit überstrecktem Hals und Hohlkreuz schindet frau weniger Eindruck mit ihrer Persönlichkeit. Annie Leibovitz lässt ihre Protagonistinnen in schlichter Umgebung meist stehen oder sehr aufrecht sitzen. Fast alle richten ihr Gesicht dem Betrachter entgegen. Sie sind kein bisschen bloß gestellt. Fast meint man, der Betrachter müsste die Frauen höflich fragen, ob er einen Blick auf sie werfen darf. Denn ihnen ist offensichtlich der bisher männliche Betrachter völlig egal. Sie haben es nicht nötig. Liebe Männer, ihr seid uns Frauen nicht egal. Wir lieben Euch immer noch, doch wir lieben auch uns selbst.

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US-Comedian Amy Shumer mit Kaffeetasse ist am wenigsten bekleidet

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Dagegen zeigt sich US-Punkmusikerin Patty Smith in Weste und Stiefeln.

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Yoko Ono ist mit ihrer direkten und sehr strengen Art bereits oft angeeckt.

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Unbequem ist sicherlich auch Filmemacherin Shirin Neshat, die sich unter anderem auch mit Frauenthemen auseinandersetzt.

Alle Fotos: © Pirelli Kalender 2016 by Annie Leibovitz.

Liebe ich Überraschungen?

Liebe ich Überraschungen?

Klar liebe ich Überraschungen. Solche Aussagen bedeuten immer, frisch flexibel auf jede neue Herausforderung zuzugehen. Aber eigentlich ist es gar nicht so. Finde ich abends einen kleinen Brief der Politessen unter meinem Scheibenwischer, gehört dies sicher nicht zu den oben genannten Herausforderungen. Aber es handelt sich trotzdem um eine Überraschung. Doch ich stelle mir anderes darunter vor. Mein Geburtstag naht. Ich liebe Geschenke, von denen ich nie gewusst habe, dass ich sie mir eigentlich sehnlichst wünsche. Quasi verlange ich von den Schenkern, dass sie mehr über meine Träume wissen als ich. Und ich selbst entwickle einen großen Ehrgeiz beim Aussuchen von Geschenken für andere. Deswegen fange ich jetzt schon an, mir den Kopf für Weihnachten zu zerbrechen.

Wie erfahre ich möglichst viel über andere? Ich habe in dieser Hinsicht eine Misch-Strategie. Zum einen gibt es die Möglichkeit, seinen Mitmenschen direkt Löcher in den Bauch zu fragen. Diese Methode ist meiner Meinung nach die unsportlichste. Aber ich frage trotzdem, „was wünschst du dir?“. Meine Schwester ist vor kurzem in ihr frisch renoviertes Haus gezogen und braucht jede Menge für ihren neuen Haushalt. Sie wird also direkt gefragt und ich bekomme eine exakte Antwort. Dagegen wird mein Bruder wieder wie alljährlich antworten: „Ich wünsche mir einen Hubschrauber oder einen Lastwagen“. Dafür steht mir zu wenig Budget zur Verfügung und er hat bereits seinen kleinen Modellhubschrauber bekommen. Ich muss mir etwas einfallen lassen. Dafür werde ich mir seine Sachen ansehen, die er bereits zu Hause hat und ihn diskret aushorchen. Die restlichen Familienmitglieder sind Mischtypen aus meiner Schwester und meinem Bruder.

Am liebsten beschenke ich Kinder. Mein Töchterchen und ihre Cousine sind die leichtesten Kandidaten und sicherlich an Weihnachten die glücklichsten. Und ich selbst? Ich träume von der klassischen Überraschung, verpackt in einem Schokoei. Warum lieber Hersteller der Überraschungseier, habt ihr eure Zielgruppe nicht bereits erweitert? Auch Erwachsene wollen überrascht werden. Wie wäre es mit einem Bastel-Kit: Man kauft zwei Schokoeierhälften und ein Plastikei, verpackt sein Geschenk darin und klebt mit einer süßen Paste das Ei wieder zu. Allein an solch einer Verpackung hätte ich Riesenspaß. Ich liebe Überraschungseier. In meinem letzten war ein wunderschöner Minion mit Gitarre. Das war eine super Überraschung.

Was mich im Leben bereits überrascht hat:

  • Eine kleine elektrische Eisenbahn zum 4. Geburtstag, ein Alter, in dem man das kaum zu schätzen weiß. Allerdings warten einige Väter sehnlichst auf den 4. Geburtstag ihrer Sprösslinge, zwecks Kauf einer Eisenbahn
  • Ein Plastikpuppenkopf, den ich schminken konnte und der sogar wachsene Haare besaß. Indem man an einem großen Rad drehte, wurde im Innern eine Haarsträhne abewickelt.
  • Die großen Duplo-Legosteine für meinen kleinen Bruder zu Weihnachten. Ich war dafür zu groß, spielte aber sehr gerne damit.
  • Ein Puppenkasperltheater. Ich inszenierte, meine Geschwister mussten zusehen.
  • Mein Uni-Aufenthalt in England
  • Ein Plüschgeier, sehr sympatischer Kerl mit Hang zu Aas.

Müssen wir alle gleich aussehen?

Soziale Medien führen zu mehr Individualität in der Mode? Echte Menschen zeigen ihren persönlichen Style? Nein! Das tun sie nicht. Die Bloggerin, die ihren Weg abseits des Mainstream im normalen Leben geht, dürfte bei einem Blick auf ihre Blogstatistik feststellen, dass sie selbst ihre treuerste Leserin ist. Denn seit jeher möchte das Publikum eine überhöhte Realität auf der Bühne sehen. Selbstverständlich soll die Bloggerin den Mädchen-von-Nebenan-Touch haben. Aber das heißt nicht, dass sie genauso laut mit den Türen knallen oder die gleichen unmöglichen Leggins trägt wie die echte Nachbarin. Nein, sie ist die immer lächelnde, Kekse backende Sauberfrau. Oder auf die Bloggerwelt übertragen: Sie begrüßt uns jeden Morgen freundlich, perfekt geschminkt und bittet uns in ihre strahlende Wohnung, um für uns ihren wohlsortierten Kleiderschrank zu öffnen. Stellt Euch vor, Ihr würdet dort genau solche schrecklichen Socken vorfinden, wie ihr sie selbst immer heimlich vor dem Fernseher tragt. Die perfekte Modebloggerin ist eben nur fast genauso wie wir. Und der kleine oder größere Unterschied macht den Reiz aus, ihren Blog zu lesen.

Es ist allzu menschlich, sich als Leserin mit Figurproblemen vor allem für Bloggerinnen zu begeistern, die diesen „Makel“ überwunden haben. Sarah von Josie Loves hatte sich darüber gewundert, dass Modelmaße auch in der Bloggerwelt ihren Einzug halten. Sie ist völlig zu Recht darüber verärgert. Sarah verweist auf Chiara Ferragni, die in ihrer Bloggerkarriere schon einige Kilos verloren hat. Spannend sind die Kommentare, denn es stellt sich die Frage, ob es überhaupt Chancen für Normalgewichtlerinnen gibt. Die Veränderung in der Welt der Modeblogs werden sich schwer stoppen lassen. Und wie sich zeigt, gehen sie in die selbe Richtung, wie die Entwicklungen der Printmedien in den vergangenen Jahrzehnten. Denn die Leserzahlen bestimmen, wohin die Reise geht. Die Forderung nach Umkehr vom Magerwahn ist gut, doch Änderung bringt nur das fleißige Lesen und Abonnieren der Blogs, Instagram- und Facebook-Accounts von etwas runderen Bloggerinnen. Wir stimmen mit unseren virtuellen Füßen ab, was Erfolg hat und was nicht.

Was ist Luxus?

Was ist Luxus?

 

Eine Ausstellung im Londoner Victoria & Albert Museum fordert mit dieser Überschrift ihre Besucher zum Nachdenken heraus. Zwar scheinen wir zu wissen, was Luxus ist, doch kaum ein Begriff ist so dehnbar. Nicht nur zwischen materiellem und ideellem Luxus gibt es einen großen Unterschied. Es ist eine Frage des Standpunkts, ob ein Fahrrad oder ein Bentley Luxus ist. Für mich ist es seltsam, denn diese Bezeichnung kann auf beides zutreffen, obwohl Welten zwischen den Fahrzeugen liegen. Bin ich ein armer Bauer auf dem chinesischen Land für den selbst ein Fahrrad Luxus ist oder der Chef eines großen Industrieunternehmens, der sich zeitlich keine Fahrradfahrt erlauben kann? In jedem Fall – und das war der erste Schritt meiner Überlegungen – ist für mich ein wichtiges Kennzeichen von Luxus die Limitierung. Es ist etwas, von dem es nur wenig gibt. Da auf unserer Welt jede Menge existiert, von dem ich nichts oder nur wenig besitze, muss es mindestens ein weiteres Kennzeichen von Luxus geben: Ich muss es haben wollen. Und was wäre das für mich? Für mich sind stille Phasen Luxus, um einem anderen zuhören zu können. Das können zum Beispiel die reichlich ausschweifenden Geschichten über Einhörner und Sandburgen meiner kleinen Tochter sein, mit ihrem enlosen Wiederholen alles Wichtigem. Natürlich gibt es auch den materiellen Luxus für mich. Nur sehr reiche Menschen können behaupten, Geld spiele keine Rolle. Natürlich zieht mich Extravaganzes an, was genausogut in preiswerter Form funktionieren würden. Wem schmeckt das Essen nicht vom goldenen Löffel besser als von seiner Edelstahlversion?

Was ist für mich Luxus?

  • Geld, das überflüssig ist und zur freien Verfügung steht
  • Urlaubstage, die man sich völlig grundlos nimmt
  • Völlig unnützes Zeug tun
  • Zwanzig Runden um den Springbrunnen laufen, weil es das Töchterchen so will
  • Einige Jahre ein Auto fahren, das viel zu klein ist und viel zu schnell – ich fahre immer nur langsam
  • Etwas Essen, nur weil es schmeckt, nicht weil man Hunger stillen muss
  • Fernsehen (Leider hab ich dafür keine Zeit)
  • Platz, der überflüssig ist und zur freien Verfügung steht – ich hätte gerne ein Haus mit Fitnesscenter, Kinosaal und selbst denkender Küche
  • Ein Swimmingpool mit Schwimmaufsicht – ja, andere dürften auch darin planschen
  • Ein Garten mit schönem Wetter

Die Liste ist bei genauerem Hinsehen materieller, als ich es mir eingestehen will. Und das meiste werde ich nie besitzen. Aber ich habe schon viel gelernt: Luxus ist auch der entspannte Verzicht auf Dinge, die man schlichtweg nicht braucht und nicht haben kann. Es ist wunderschön, ohne Verlustängste Windwo-Shopping betreiben zu können. Die Zeiten, in denen ich mich im Spielzeuggeschäft schreiend auf den Boden geworfen habe, weil ich keine Pfirsich-Super-Hawaii-Barbie mit passendem rosa Friseursalon bekam, sind zum Glück vorbei. Heute stehe ich auf der anderen Seite des Verhandlungstisches und merke, dass Geduld Luxus ist.

Fürs Nachdeken virtuell und vor Ort:

What is Luxury?

Ausstellung bis 27. September 2015

Victoria and Albert Museum, London

Foto: Victoria and Albert Museum, London

Casual Friday: böse Mädchen

Ich möchte Euch eine Reihe auf dem Denkfabrikblog ans Herz legen: Kleine Mädchen sind der Teufel. Bei diesem Film hier musste ich an meine kleine Prinzessin denken. Im Alter von zwei bis drei Jahren hat sie im Supermarkt lautstark um Hilfe gerufen, sobald sich Mama, Papa, Omi oder Onkel weigerten, ihr einen Riesenberg Süßigkeiten zu kaufen. Einmal saß sie im Einkaufwagen und streckte einer vorbeigehenden Kundin ihre Ärmchen entgegen und rief: „Helft mir, Leute! Warum hilft mir denn niemand?“ Heute, zwei Wochen nach Prinzessins viertem Geburtstag bin ich froh, bisher ohne Vorstrafen über die Runden gekommen zu sein.