Urlaub beim Discounter

Urlaub beim Discounter

Schon im gestrigen Posting habe ich von meiner Sehnsucht nach Sonne und Strand geschrieben. Zurzeit muss ich mich mit anderer Strategie über den Winter hinwegtrösten. Der Gang in den Supermark kann die ersehnte Urlaubsreise auf die Malediven oder nach Kapstadt ersetzen.

Denn wie wunderbar, dass Hersteller ihren Produkten viel versprechende Namen geben wie Alpenmilch, Manhattan-Eiscreme, oder Colorado-Fruchtgummis. So ist für mich das Wandern zwischen Putzmitteln, Fertiggerichten, Raumsprays und Dosenfutter eine wahre Weltreise. Es war wohl die Sehnsucht nach der Ferne, die mich bei Aldi zum Spülmittel Ocean Breeze greifen ließ. Dafür ließ ich meinen Lieblingsduft Lemmon stehen. Die große Flasche war angefüllt von unendlichem Blau. Mit verschleiertem Blick, den Meeresduft schon gedanklich in meiner Nase, schwebte ich zur Supermarktkasse. Wie immer, war ich nicht allein, aber vor lauter Urlaubsfreuden ignorierte ich die lange Schlange. Ich sah mich schon zu Hause in der Küche, die Hände ins warme Wasser tauchen, mein Kopf inmitten einer Wolke von Ocean Breeze. – „26,50 bitte“, die Frau vor mir zahlte, ich und mein Spülmittel waren an der Reihe.

Mit einem Ruck fuhr das Fließband an, um meinen Ozean in der Flasche zur Kasse zu transportieren. Leider fiel das Spülmittel durch die unsanfte Behandlung um, ein Sturm brach aus, der Verschluss sprang auf und Ocean Breeze quoll heraus. Das zähflüssige Blau schwappte übers Band und verbreitete einen Duft, der mich weniger an Palmen und Strand, mehr an sauberes Geschirr erinnerte. Wie eine Seifenblase zerplatzte meine Vision, mir die unendlichen Weiten des Meeres ins Spülbecken zu holen. Ich landete in der Realität und als ich mir eine neue Flasche holen durfte, griff ich wie immer zum Lemmon-Duft. Zitronen erinnern mich übrigens an Sizilien. Nichts gegen Discounter, sie füllen meinen Bauch mit köstlichen Dingen, aber vielleicht sollte ich irgendwann einmal richtig in den Urlaub fahren.

Reiselektüre

Reiselektüre

Bahnreisen dauern ein wenig länger und bieten damit ungeahnte Möglichkeiten: Zeit zum Lesen. Ich war fünf Stunden lang nach München unterwegs. Ab und an habe ich den vielen Bäumen an der Bahnstrecke hinterher gesehen und mich dann wieder in Spiegel und Neon vertieft. Aus beiden Zeitschriften möchte ich Euch je einen Artikel ans Herz legen:

Neon

Jakob Schrenk macht sich für Neon  auf, der Damenwelt das Händchenhalten beizubringen. Der Autor fährt nach Wolfsburg, um am internationalen Armwrestling-Wettbewerb „Over The Top“ teilzunehmen. Dort soll er gegen Laura Branding im Armdrücken antreten. Ja, seine Herausforderin ist eine Frau, die jeden Männerarm umhaut. Das lässt sich Jakob Schrenk mit Bravour gefallen und schreibt über seine Erlebnisse in der vermeintlichen Macho-Armdrücker-Welt einen der wunderbarsten feministischen Artikel, den ich je gelesen habe. Was lernen wir daraus? Frauen sind stärker als Männer. Aber sich daraus nichts zu machen, ist die große Stärke des Mannes. (Jakob Schrenk, „Halt meine Hand, Baby“, Neon, Februar 2015, S. 86)

Spiegel

Für den Spiegel (31.011.2015) vergleichen Ann-Kathrin Nezik und Michaela Schießl zwei Modewelten miteinander: Das amerikanische Upper-Class-Label Abercrombie & Fitch und die Pragmatiker-Marke Zara. Verständlich wird, dass sich Abercrombie & Fitch an der eigenen Hipness verschlickt hat, während Zara Trends auf der Straße hinterherspürte. (Ann-Kathrin Nezik und Michaela Schießl, „Hip und ex“, Der Spiegel, 6/2015, S. 68)

Fotos: Lifestyle Bunny / Patricia Guzman

 

 

Bin ich verrückt?

Waschmaschine_2

Bald darf ich raus in die weite Welt. In den kommenden Tagen werde ich wegfahren, für meinen Job. Männer würden das ganze Dienstreise nennen. Für mich sind es zunächst fünf entspannende Stunden im ICE. Dort bin ich gezwungen nichts zu tun. Weder lassen sie mich die Zugfenster putzen, noch schleppe ich einen Laptop um virtuell fleißig zu sein.  Stattdessen werde ich jeden an meinem Zugfenster vorbeihuschenden Baum hinter hergucken und zwischendurch in meinem analogen Buch blättern oder ein Nickerchen machen. Aber vielleicht wird tief in mir drin eine Ahnung nagen – die Ahnung, dass ich den Haushalt doch nicht so perfekt hinterlassen habe, wie ich es selbst von mir verlange.

Mein Problem: Bis es soweit ist und ich im Zug sitze, läuft der häusliche Countdown ab. Ich schrubbe und poliere, kaufe ein und schmeiß die Waschmaschine an. Schließlich weiß man nicht, ob in den zwei Tagen, die ich unterwegs bin, die Unterhosenverknappung ausbricht oder jeder Supermarkt im Umkreis ausverkauft ist. Es könnte auch sein, dass die Welt untergeht. Undenkbar, wenn da nicht die Küche geputzt wäre.

Ich denke, es gibt einen grundlegenden Unterschied, ob Männer Dienstreisen machen oder Frauen „für den Job unterwegs“ sind. In den ersten beiden Jahren meines Studiums habe ich nebenbei in einem Hotel gearbeitet, in dem viele, fast ausschließlich männliche Geschäftsreisende übernachteten. Keiner von ihnen machte den Eindruck, als hätte er vor seiner Abreise für seine Familie zu Hause die Fußböden poliert und Wäscheberge gebügelt, bevor er sich für ein paar Tage wegtraute. Die Herren waren  entspannt. Kaum einer griff zum Telefon, um zu Hause zu fragen, ob alle Ohren geputzt oder genug Gemüse gespeist wurden.

Immer wieder sage ich mir, nimm Dir ein Beispiel an anderen: Mach die Tür hinter Dir zu und vergiss das Chaos. Genieße den Anblick eines jeden Baumes an der Bahnstrecke. Aber ich werd es nicht sein lassen können: Abends greife ich zum Telefon, werde fragen, ob mein Töchterchen endlich eine freie Nase hat, werde Tipps und Befehle erteilen und fragen, ob alle Ohren geputzt sind. Selbstverständlich werde ich auch Spaß haben. Ab und an nagt es tief in mir drin.

Foto: Lifestyle Bunny / Patricia Guzman

Wochenende: Holland am Strand

Wochenende: Holland am Strand

Ich hab meinem Töchterchen einen Regenbogen gechenkt. So etwas hat sie sich immer schon gewünscht, wie sie mir daraufhin beteuerte. So einfach kann ich einen Menschen glücklich machen …

Strand_Wintersonne

Alles was das Herz begehrt: eiskalter Wind, Sonne und dazwischen ein paar Regenwolken. Am Wochenende war ich am Strand von Kijkduin bei Den Haag, Niederlande.

Strand_Regenbogen

Mit wetterfester Kleidung lässt sich die gefühlte Kälte ertragen. In Wirklichkeit war es am Wochenende einige Grad wärmer an der Nordsee als im Westen Deutschlands, wo es kräftig geschneit hat.

Strand_Felsen

Strand_Patricia

Kijkduin ist bekannt – wie es der Name schon verrät – für große Sanddünen.

Fotos: Lifestyle Bunny /Patricia Guzman und Thomas Majde

Reisen mit Philippe Starck

Philippe Starck mit Koffern und Taschen aus seiner neuen Serie von Delsey

Bei uns an der Uni Duisburg gab es ein unverhofftes Design-Highlight: Zu Hunderten standen dort Philippe Starcks orangefarbige Plastikstühle auf grau-braunem Linoleum. Große Seminarräume waren damit ausgestattet. Irgendwann schmiss sie der Hausmeister raus in den Sperrmüll, erzählte man mir. Leider haben wir Sperrmüllsammler unsere Chance des Lebens verpasst. Sonst säße ich auf Designklassikern an meinem Küchentisch. Dafür gibt es etwas Neues vom französischen Designer: Gemeinsam mit Delsey bringt er eine Kofferserie heraus. Ich könnte mich also mit einer gemeinsamen Reise trösten, wenn Philippe Starck mir schon keine Gesellschaft am Küchentisch leistet. Der Designer hat sich mit seinen Gepäckstücken gleich ablichten lassen.

Fotos: Delsey

Ljubljana

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Ljubljana – das bedeutet im Deutschen so viel wie „Die Geliebte“. Das Glücksgefühl, das mit ihrer menschlichen Namensgeberin verbunden ist, haben Romantiker am liebsten heimlich. Deswegen würde ich gerne für mich behalten, wie wunderbar die Hauptstadt Sloweniens ist. Ich genieße meinen Urlaub und teile den Anblick von so viel Schönheit mit nur wenigen Besuchern. Hier haben sich kaiserliche Hoheiten architektonisch ausgetobt. Umgeben ist Ljubljana von Bergen, in Sichtweite glitzern die Alpengipfel und bis zur Adria ist es eine Stunde mit dem Auto. Dazwischen befinden sich viele Schlösser, Burgen und eine der größten Höhlenlandschaften.