Gestern habe ich tatsächlich ein halbes Ohr in Richtung Fernseher gestreckt, während ich am Rechner noch zu tun hatte. Es lief Germany’s Next Topmodel, was unsereins mittlerweile weniger interessiert als das Dschungelcamp. Und da es sich ums Ohr und nicht ums Auge handelte, schnappte ich den Begriff Sky Heels auf, ohne dass ich mir optisch davon ein Bild machen konnte. Vermutlich sollen wir Frauen jetzt den Himmel erobern, zumindest will das auch Acne so. Bei diesen Tretern hier handelt es sich um Plateauschuhe, in denen frau sich noch vorwärts bewegen kann. Manche Fantasieexemplare scheinen die Trägerin ausschließlich nach oben befördern zu wollen. An ein Weiterkommen scheinen die Designer nicht zu denken.
Der typische Missoni-Streifenlook breitet sich jetzt bis zu den Schuhen aus. Genauer gesagt bringen Missoni und Converse seit einiger Zeit gemeinsam designte Chucks heraus und jetzt gibt es zwei neue Modelle. Mir persönlich gefällt der Streifenlook nicht überall, aber auf Turnschuhen macht er sich recht gut. Wahrscheinlich müsste ich mit diesen Converse mir dauernd selbst auf die Füße starren.
Ich liebe außergewöhnliche Schuhe, auch, wenn ich sie selbst vielleicht nie tragen würde. Diese Exemplare hier würden meine Perspektive auf die Welt verändern, denn ich könnte meinen Mitmenschen fast ausschließlich auf Scheitel, Glatze oder was auch immer gucken. Ich hätte immer frische Luft, während sich die Köpfe anderer nach unten neigten, um meine Polka-Dot-Schuhe betrachten zu können. Da ich nie auf solch ungewöhnlichen Tretern durch die Stadt hüpfe, bleibt das ganze ein Tagtraum und Ihr könnt in Euch gehen und Euch fragen, ob Ihr so modemutig seid, solche Schuhe zu tragen. Falls ja: Noch gibt es die hübschen Pünktchen-Schuhe bei H&M für 29,95 Euro zu kaufen.
Beim Schuhkauf lasse ich mir im Geschäft grundsätzlich den Pappkarton dazugeben. Das hat den Vorteil, dass ich das neue Paar darin ganz oben auf meinem Kleiderschrank deponieren kann. Praktisch, denn dann brauche ich bei Bedarf nur einen der übersichtlich geordneten Kartons zu greifen – soweit die Theorie. In der Praxis bin ich zwar groß, aber nicht so groß, dass ich ohne Probleme auf meinen Schrank reichen könnte, das Ding ist riesig. Nach einem Schuhkauf befördere ich die neuen Treter unter Gehoppel und Strecken über die Kante hoch auf den Schrank und schiebe alle bereits darauf stehenden Kartons nach hinten.
Nach einigen Tagen und Wochen stelle ich bei einem Blick hinauf fest, dass ich eigentlich viel zu wenige Schuhe habe und mir wieder ein neues Paar zulegen müsste. Dass hinter der vorderen Reihe noch einige vergessene Kartons stehen, wird mir beim alljährlichen Ausmisten bewusst. Das sind die Momente, in denen ich feststellen muss, dass ich mein knappes Geld wieder doppelt und dreifach in fast identisch aussehende Schuhpaare investiert habe. Sehen wir das ganze positiv und stellen fest, dass ich meinem Stil treu bleibe. Und ein bisschen fühlt es sich schon wie Weihnachten an, wenn unverhofft ein nagelneues Paar Schuhe auftaucht.
Gabriel Dishaw zeigt Vintage Look auf eine völlig neue Weise. Der Künstler fertigt Objekte aus Müll und liebt anscheinend besonders Sneaker. Seine Treter sind aus alten Computerbauteilen, Schrauben und anderem. Das Laufen darin dürfte nicht ganz so komfortabel sein, aber darauf kann ich gut verzichten. Allein das Ansehen lässt das Herz jedes Sneaker-Fans höher schlagen.
Mit diesen Schlappen an den Füßen müsste frau eigentlich Handstand machen. Sonst finden sie vielleicht zu wenig Beachtung. Übrigens spielt auch Slowenien heute und ich bin zum Fremdjubeln verpflichtet.
Entgegen der landläufigen Meinung, alle Frauen hätten einen Schuhtick, gehöre ich nicht zu den Damen, die sich ständig neue Treter zulegen. Deswegen war dieser Kauf dringend notwendig, auch, wenn ich mich dazu überwinden musste. Merkwürdig, denn ich bin davon überzeugt, alles starrt mir beim Schuheanprobieren auf die Füße. Beim Aussuchen habe ich Wert auf unauffällige Tragbarkeit gelegt, doch fürs Foto dürfen es gerne quietschbunte Socken sein. Fast wäre ich beim Versuch, meine eigenen Füße zu fotografieren vom Stuhl gefallen. Am liebsten würde ich mir fürs Shooting die Füße meiner Schwester ausleihen, aber die war heute damit anderweitig unterwegs.
Ich gehöre zu den Menschen, deren Entscheidungen einen weitreichenden Einfluss aufs Wetter zu haben scheinen. Gehe ich mit Schirm raus, scheint unter Garantie den ganzen Tag die Sonne. Wochenlang bibber ich morgens an der Bushaltestelle im Schneetreiben. Worauf ich beschließe, mir ein Paar besonders warme Stiefel zuzulegen. Und was passiert? Die Temperatur erklimmt die Werte der Thermometerskalen weit jenseits der Null, während meine Füße in kuscheligem Lammfell schmoren. Diese Eskimostiefel von Ugg eignen sich zur Jagd auf dem grönländischen Eis, an meiner Bushaltestelle ist es jetzt dafür viel zu warm. Trotzdem bin ich stolz auf mein Schnäppchen. Weil ich gegen den Trend gekauft habe, musste ich weniger als die Hälfte für die Uggs hinlegen. Die Stiefel werden mit Zeitungspapier ausgestopft in meinem Schrank auf ihren Einsatz an der Bushaltestelle warten. Vielleicht wird es wieder kalt genug, wenn ich mir Flipflops kaufe?
Sängerin Aura Dione wird in diesem Musikclip von Schuhen verfolgt. Es sind ein paar nette Treter dabei, die sogar mit Aura ein paar Schritte tanzen. Nicht, dass Ihr morgen früh versucht, Eure Schuhe aus dem Schrank zu locken. Sowieso haben einige Exemplare womöglich zu viel gekostet, um das Risiko einzugehen, dass sie Euch davon hüpfen.
Diese Hüttenschuhe brachte mir meine Schwester nicht etwa aus der sibirischen Taiga mit. Sie hat die Strickpuschen in New York gekauft. Auf meine Bemerkung, der Rentierlook sähe weniger nach Weltstadt aus, sagte sie, die Schuhe wären ja auch aus Long Island. New-York-Kenner werden nicken, für mich erschließt sich die Logik nicht ganz. Ich sehe vor meinem geistigen Auge den Steppenreiter in verschneiter Landschaft vor seiner Jurte in Hüttenschuhe schlüpfen.