von Patricia | Donnerstag, 13. August 2015 | Events, Persönlich
Eine Ausstellung im Londoner Victoria & Albert Museum fordert mit dieser Überschrift ihre Besucher zum Nachdenken heraus. Zwar scheinen wir zu wissen, was Luxus ist, doch kaum ein Begriff ist so dehnbar. Nicht nur zwischen materiellem und ideellem Luxus gibt es einen großen Unterschied. Es ist eine Frage des Standpunkts, ob ein Fahrrad oder ein Bentley Luxus ist. Für mich ist es seltsam, denn diese Bezeichnung kann auf beides zutreffen, obwohl Welten zwischen den Fahrzeugen liegen. Bin ich ein armer Bauer auf dem chinesischen Land für den selbst ein Fahrrad Luxus ist oder der Chef eines großen Industrieunternehmens, der sich zeitlich keine Fahrradfahrt erlauben kann? In jedem Fall – und das war der erste Schritt meiner Überlegungen – ist für mich ein wichtiges Kennzeichen von Luxus die Limitierung. Es ist etwas, von dem es nur wenig gibt. Da auf unserer Welt jede Menge existiert, von dem ich nichts oder nur wenig besitze, muss es mindestens ein weiteres Kennzeichen von Luxus geben: Ich muss es haben wollen. Und was wäre das für mich? Für mich sind stille Phasen Luxus, um einem anderen zuhören zu können. Das können zum Beispiel die reichlich ausschweifenden Geschichten über Einhörner und Sandburgen meiner kleinen Tochter sein, mit ihrem enlosen Wiederholen alles Wichtigem. Natürlich gibt es auch den materiellen Luxus für mich. Nur sehr reiche Menschen können behaupten, Geld spiele keine Rolle. Natürlich zieht mich Extravaganzes an, was genausogut in preiswerter Form funktionieren würden. Wem schmeckt das Essen nicht vom goldenen Löffel besser als von seiner Edelstahlversion?
Was ist für mich Luxus?
- Geld, das überflüssig ist und zur freien Verfügung steht
- Urlaubstage, die man sich völlig grundlos nimmt
- Völlig unnützes Zeug tun
- Zwanzig Runden um den Springbrunnen laufen, weil es das Töchterchen so will
- Einige Jahre ein Auto fahren, das viel zu klein ist und viel zu schnell – ich fahre immer nur langsam
- Etwas Essen, nur weil es schmeckt, nicht weil man Hunger stillen muss
- Fernsehen (Leider hab ich dafür keine Zeit)
- Platz, der überflüssig ist und zur freien Verfügung steht – ich hätte gerne ein Haus mit Fitnesscenter, Kinosaal und selbst denkender Küche
- Ein Swimmingpool mit Schwimmaufsicht – ja, andere dürften auch darin planschen
- Ein Garten mit schönem Wetter
Die Liste ist bei genauerem Hinsehen materieller, als ich es mir eingestehen will. Und das meiste werde ich nie besitzen. Aber ich habe schon viel gelernt: Luxus ist auch der entspannte Verzicht auf Dinge, die man schlichtweg nicht braucht und nicht haben kann. Es ist wunderschön, ohne Verlustängste Windwo-Shopping betreiben zu können. Die Zeiten, in denen ich mich im Spielzeuggeschäft schreiend auf den Boden geworfen habe, weil ich keine Pfirsich-Super-Hawaii-Barbie mit passendem rosa Friseursalon bekam, sind zum Glück vorbei. Heute stehe ich auf der anderen Seite des Verhandlungstisches und merke, dass Geduld Luxus ist.
Fürs Nachdeken virtuell und vor Ort:
What is Luxury?
Ausstellung bis 27. September 2015
Victoria and Albert Museum, London
Foto: Victoria and Albert Museum, London
von Patricia | Donnerstag, 30. April 2015 | Wohnen und Einrichten
Noch vor gar nicht allzu langer Zeit galten Küche und Bad als Nebenschauplätze. Doch meiner Meinung nach könnte das Wohnzimmer gerne ein paar Quadratmeter abtreten. Denn es lohnt sich, ein Zeremoniell wie die Körperpflege in passendem Umfeld abzuhalten. Ein Badezimmer verdient ebensoviel Beachtung. Wie in einem kleinen Privat-Spa kann man in diesen schicken Bädern Ruhe tanken und sich hübsch machen. Hier sind ein paar Vorschläge, die aus Eurem Bad einen kleinen Salon machen, in den ihr Euch gerne für längere Zeit zurückzieht. Fotos gibt es nach dem Klick oder unten.

Solch ein Waschbeckenschrank aus lackiertem Holz ist ein richtiges Möbelstück und macht das Händewaschen gemütlicher. Nur einmal in meinem Leben habe ich in solch einer Badewanne auf Löwenfüßen gebadet. Sie gehörte Luella und Kermit – ihr Haus stand in einem Örtchen inmitten von Maisfeldern im Nirgendwo von Wisconsin. Und selbstverständlich darf im Wohnzimmer-Bad eine Tapete nicht fehlen. Hier ist sie mit Störchen bedruckt.

Die moderne Variante: Weiß ist die klassische Farbe fürs Bad. Hier zeigt sie sich in Kombination mit dunklem Holz. Solche Details wie eine sichtbare Maserung überraschen in einem Bad. Normalerweise erwarten wir diese Materialien eher im Wohnzimmer.

Es lebe die Romantik. Hier ist der Duschvorhang mit Troddeln drapiert, so wie wir es von schweren Vorhängen gewohnt sich. Selbst ein Holzfußboden wird mit entsprechender Lackierung und flauschigem Fußhandtuch badtauglich. Lampen und große Fenster verwandeln das Bad in einen Wohnraum. Kerzen sind neben der Badewanne ein Inbegriff von Romantik. Doch stellt sie bitte weit weit weg von Euren Deosprays und Parfümzerstäubern auf.

Kaum jemand kommt auf die Idee, Bilder im Bad aufzuhängen. Dabei macht sich ein Kandinsky oder van Gogh auch über der Badewanne sehr gut. Es darf auch gerne eine gute Kopie berühmter Kunst sein. Niemand möchte, dass Euer Rembrandt durch die Feuchtigkeit Wellen schlägt. Ein Bilderrahmen mit Glasfläche schützt bei allzu lang dauernden Schaumbädern.

Dunkles Holz anstelle von Fliesen: Auch für die Wandverkleidung gibt es Alternativen, die mehr Geborgenheit versprechen.

Wer Platz hat, kann sich Möbel ins Badezimmer stellen. Hier zum Beispiel ein Bett. Da reicht ein Hechtsprung von der Badewanne aus, um sich für ein Nickerchen hinzulegen. Aber auch Sofas oder gemütliche Sessel laden zum Entspannen zwischen Waschbecken und Dusche ein.

Ein Waschbecken muss nicht aussehen wie ein Waschbecken. Dieses hier steht auf schlanken Holzbeinen und macht den Eindruck, man könne es leicht hochheben und mitnehmen.
Überrascht Euch und andere mit einer neuen Perspektive auf einen verkannten Raum. Damit lernt ihr ungenutztes Potential Eures Zuhauses zu nutzen. Ideen fürs Badezimmer findet Ihr bei Homify. Lasst Euch inspirieren.
Fotos via / mit freundlicher Unterstützung: Homify.de
von Patricia | Donnerstag, 19. März 2015 | Accessoires, Kleinigkeiten
Hiermit möchte ich einem Trend entgegenwirken: Socken sind ein klasse Ostergeschenk. Damit macht Ihr Euren Herzallerliebsten wild. Einfach die kleinen bunten Dinger für die Füße einrollen, umschlagen und ein bisschen zurecht kneten. Schon habt Ihr ein wunderschönes Socken-Osterei. Es ist klein genug, um fast unauffindbar zu werden. So könnt Ihr den Mann an Eurer Seite den ganzen Ostersonntag beschäftigen. Lasst Euch ein kreatives Versteck einfallen und er sucht bis zum Abend. Derweil vergnügt Ihr Euch mit Braten, feinem Kuchen und legt endlich mal die Beine hoch. Es kommt ganz aufs Suchtalent Eures Herzallerliebsten an. Vielleicht wird er auch noch den Ostermontag zum Suchen brauchen. Und falls er sich übers zu gute Versteck aufregt: Der Osterhase ist schuld. Hier sind besonders bunte Socken vom erst zwei Jahre alten Label „von Jungfeld“. Diese Strümpfe haben das perfekte Ostereiermuster.

Hier ist mehr erlaubt: Socken bieten dem Mann eine der wenigen Gelegenheiten, sich farblich auf Törtchen und Geranien abzustimmen.

Selbst starke Farben und schrille Muster sind bei Herrensocken erlaubt.
Alle Fotos: von Jungfeld
von Patricia | Dienstag, 3. März 2015 | Persönlich, Reisen
Schon im gestrigen Posting habe ich von meiner Sehnsucht nach Sonne und Strand geschrieben. Zurzeit muss ich mich mit anderer Strategie über den Winter hinwegtrösten. Der Gang in den Supermark kann die ersehnte Urlaubsreise auf die Malediven oder nach Kapstadt ersetzen.
Denn wie wunderbar, dass Hersteller ihren Produkten viel versprechende Namen geben wie Alpenmilch, Manhattan-Eiscreme, oder Colorado-Fruchtgummis. So ist für mich das Wandern zwischen Putzmitteln, Fertiggerichten, Raumsprays und Dosenfutter eine wahre Weltreise. Es war wohl die Sehnsucht nach der Ferne, die mich bei Aldi zum Spülmittel Ocean Breeze greifen ließ. Dafür ließ ich meinen Lieblingsduft Lemmon stehen. Die große Flasche war angefüllt von unendlichem Blau. Mit verschleiertem Blick, den Meeresduft schon gedanklich in meiner Nase, schwebte ich zur Supermarktkasse. Wie immer, war ich nicht allein, aber vor lauter Urlaubsfreuden ignorierte ich die lange Schlange. Ich sah mich schon zu Hause in der Küche, die Hände ins warme Wasser tauchen, mein Kopf inmitten einer Wolke von Ocean Breeze. – „26,50 bitte“, die Frau vor mir zahlte, ich und mein Spülmittel waren an der Reihe.
Mit einem Ruck fuhr das Fließband an, um meinen Ozean in der Flasche zur Kasse zu transportieren. Leider fiel das Spülmittel durch die unsanfte Behandlung um, ein Sturm brach aus, der Verschluss sprang auf und Ocean Breeze quoll heraus. Das zähflüssige Blau schwappte übers Band und verbreitete einen Duft, der mich weniger an Palmen und Strand, mehr an sauberes Geschirr erinnerte. Wie eine Seifenblase zerplatzte meine Vision, mir die unendlichen Weiten des Meeres ins Spülbecken zu holen. Ich landete in der Realität und als ich mir eine neue Flasche holen durfte, griff ich wie immer zum Lemmon-Duft. Zitronen erinnern mich übrigens an Sizilien. Nichts gegen Discounter, sie füllen meinen Bauch mit köstlichen Dingen, aber vielleicht sollte ich irgendwann einmal richtig in den Urlaub fahren.
von Patricia | Donnerstag, 29. Januar 2015 | Persönlich, Reisen

Bald darf ich raus in die weite Welt. In den kommenden Tagen werde ich wegfahren, für meinen Job. Männer würden das ganze Dienstreise nennen. Für mich sind es zunächst fünf entspannende Stunden im ICE. Dort bin ich gezwungen nichts zu tun. Weder lassen sie mich die Zugfenster putzen, noch schleppe ich einen Laptop um virtuell fleißig zu sein. Stattdessen werde ich jeden an meinem Zugfenster vorbeihuschenden Baum hinter hergucken und zwischendurch in meinem analogen Buch blättern oder ein Nickerchen machen. Aber vielleicht wird tief in mir drin eine Ahnung nagen – die Ahnung, dass ich den Haushalt doch nicht so perfekt hinterlassen habe, wie ich es selbst von mir verlange.
Mein Problem: Bis es soweit ist und ich im Zug sitze, läuft der häusliche Countdown ab. Ich schrubbe und poliere, kaufe ein und schmeiß die Waschmaschine an. Schließlich weiß man nicht, ob in den zwei Tagen, die ich unterwegs bin, die Unterhosenverknappung ausbricht oder jeder Supermarkt im Umkreis ausverkauft ist. Es könnte auch sein, dass die Welt untergeht. Undenkbar, wenn da nicht die Küche geputzt wäre.
Ich denke, es gibt einen grundlegenden Unterschied, ob Männer Dienstreisen machen oder Frauen „für den Job unterwegs“ sind. In den ersten beiden Jahren meines Studiums habe ich nebenbei in einem Hotel gearbeitet, in dem viele, fast ausschließlich männliche Geschäftsreisende übernachteten. Keiner von ihnen machte den Eindruck, als hätte er vor seiner Abreise für seine Familie zu Hause die Fußböden poliert und Wäscheberge gebügelt, bevor er sich für ein paar Tage wegtraute. Die Herren waren entspannt. Kaum einer griff zum Telefon, um zu Hause zu fragen, ob alle Ohren geputzt oder genug Gemüse gespeist wurden.
Immer wieder sage ich mir, nimm Dir ein Beispiel an anderen: Mach die Tür hinter Dir zu und vergiss das Chaos. Genieße den Anblick eines jeden Baumes an der Bahnstrecke. Aber ich werd es nicht sein lassen können: Abends greife ich zum Telefon, werde fragen, ob mein Töchterchen endlich eine freie Nase hat, werde Tipps und Befehle erteilen und fragen, ob alle Ohren geputzt sind. Selbstverständlich werde ich auch Spaß haben. Ab und an nagt es tief in mir drin.
Foto: Lifestyle Bunny / Patricia Guzman