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Wissen woher

Whomadethem_bedrucktes_Oberteil

WhoMadeThem

In letzter Zeit gelingt es mir immer weniger: außer acht lassen, wer meine neu gekaufte Hose genäht oder den Stoff dafür gewebt hat. Denn es ist fast egal, ob hochwertige Designerlabels oder kostengünstige Modeketten – fast alle lassen von den Ärmsten der Armen unter nicht akzeptablen Bedingungen arbeiten. Ich persönlich bin entschieden gegen Ausbeutung, vor allem gegen Ausbeutung von Kindern. Das hat dazu geführt, dass ich an manchem Tag an mir herunterblicke und feststelle, dass mein gesamtes Outfit second hand ist. Mich beruhigt es, dass alles schon vor mir einmal jemand anderem gehört hat. Damit kann ich Verantwortung auf den Vorbesitzer abschieben.

Trotzdem gibt es viel Kleidung, die ich nie gebraucht kaufen würde, Socken, Unterwäsche, Bademode, Schuhe. Und ich kann es nicht völlig lassen, mir ab und an etwas Neues zu gönnen. In vergangener Zeit wurde viel darüber nachgedacht, wie wir als Käufer erfahren könnten, ob Mode unter fairen Bedingungen gearbeitet wurde. Johanna Bose und Raphael Guillou haben eine Alternative zu Siegeln und Zertifikaten entwickelt. Jedes Teil ihrer Mode unter dem Label Whomadethem besitzt ein Etikett mit einem Strichcode. Über diesen Code und die Webpage des Labels können wir jederzeit erfahren wer die Kleidungsstücke genäht hat und wo. Transparenz ist auch im Informationszeitalter nicht selbstverständlich.

www.whomadethem.com

Whomadethem_bedrucktes_Etuikleid

Die beiden Designer des Labes Whomadethem begeistern sich für  Materialmix, wie bei diesem längeren Etuikleid mit hellen Ornamenten. Es besitzt eine neoprenähnliche Oberfläche, die genauso wie das Oberteil oben in Mumbai mit feinem Draht bestickt wurde.

 

Whomadethem_Strickpullover

Der grob gestrickte Pullover ist aus tibetischer Hochlandwolle und steht im Kontrast zum schwarzen Seidenrock.

Whomadethem_Samtkleid

Das Samstkleid hat keinen Saum und besitzt vorne einen Einsatz aus Seide.

Whomadethem_Bomberjacke

Zur Herrenkollektion gehört diese Bomberjacke, darunter ein T-Shirt mit bestickter Kapuze.

Fotos: Whomadethem, 2013

Jeans für Egomanen

Ich habe von meiner Schwester eine Jeans geerbt. Sie hat das gute Stück aus Bangkok mitgebracht und fast nie getragen.  Auf dem Etikett steht „Makes Feeling Important“. Bisher habe ich von dieser besonderen Wirkung noch nichts verspürt. Merkwürdig, dass sie diese Information auf dem Etikett auf der Innenseite verstecken. Das erinnert mich daran, dass man früher hier in Europa Bilder und Medallions von Heiligen an der Unterwäsche feststeckte. Der Vergleich eines egomanischen Spruchs mit Heiligenbildern hinkt. Trotzdem verspricht man sich etwas – von einem genauso wie vom anderen.

Foto: Lifestyle Bunny / Patricia Guzman

Respekt vor dem Kindlichen

Es gibt Produkte für Kinder und Dinge, die sich nur auf den ersten Blick an Kinder richten. Schaut man genauer hin, sind Eltern die eigentliche Klientel. Schließlich sind sie es, die im Geschäft das Portemonnaie zücken und sich eher überzeugen lassen, dass teuer gleichbedeutend mit gut ist. Diesem Credo schließt man sich anscheinend auch beim französischen Dessous-Label Jours Après Lunes an. Denn deren Werbefotos dürften kaum die Kunden im Sandkastenalter ansprechen.

Darauf sind spielende Kinder in Unterwäsche mit Attributen der erwachsenen Frau wie Perlenkette oder Makeup zu sehen. Wer in den Bildern nur das Harmlose erkennen will, dem lässt der Fotograf die Möglichkeit dazu. Doch dem, der mehr in den Darstellungen sehen möchte, bleibt leider genügend Spielraum. Es liegt im Auge des Betrachters. Und wenn ich mich auf der Website von Jours Après Lunes weiter von der Kinder- zur Damenkollektion durchklicke, sehe ich dort umgekehrt Frauen mit Kuscheltieren posieren.

Hier spielt man mit der Konstellation Kindlichkeit in Zusammenhang mit Sex Appeal – Erwachsene, denen Accessoires des Kindes und Kleine, denen Schmuck der Großen mitgegeben werden. Wo findet hier noch die scharfe Abgrenzung statt, die beide Welten voneinander trennen sollte? Mir fehlt die respektvolle Distanz, die Erwachsene vor dem Kindlichen wahren sollten. Sind die Reaktionen mancher im Netz übertrieben oder berechtigt? Sind wir heute zu empfindlich geworden und sind die Fotos tatsächlich nur harmlose Schnappschüsse spielender Kinder in knapper Kleidung? Meiner Meinung nach müsste man den Kleinen zuliebe vorsichtiger sein und auf jede Zweideutigkeit – mag sie uns auch noch so abwegig erscheinen – verzichten.
Eine spannende Diskussion zum Thema findet Ihr bei Les Mads

Bleibt alles anders

Viel hat sich seit der Geburt meiner kleinen Tochter Ende Mai geändert, aber nicht alles. Und so melde ich mich zurück aus der Krabbelecke und will wieder bloggen. Das Schreiben hat mir sehr gefehlt und ich hoffe, ich finde genügend Zeit, um diesen liebgewonnen Zeitvertreib weiter zu pflegen. Das also bleibt. Und was ist anders? Nun, ich weiß jetzt, dass 56 nicht nur eine Damengröße ist und dass winzige Kleidchen in Burberrys Nova Check besser aussehen, als große. Ich brauche morgens dreimal so lange wie früher, weil ich jetzt zwei Menschen anziehen muss, wobei der Zwerg sich nie dazu äußert, ob der Velours-Strampler zu warm oder die Ringelsöckchen zu kalt sind. In den vergangenen Wochen habe ich deutlich mehr Geld für weniger Stoff ausgegeben – aber es hat mich glücklicher gemacht.

Foto: Die Söckchen meiner Kleinen, die ungewöhnlich große Füße besitzt. Und herzlichen Dank für die schicken Söckchen mit den großäugigen Fröschen an Franziska.

Foto: Lifestyle Bunny / Patricia Guzman

Gamescom-Outfits

In der vergangenen Woche bin ich mit den Gaming-Experten Daniel, seiner Nina und Tom zur Gamescom 2010 nach Köln gefahren. Ursprünglich hatte ich gehofft, ein schönes Foto von mir beim Knuddeln mit Mario oder den verrückten Rabbids zu machen. Stattdessen traf ich auf Kriegerinnen mit Schwert und Sängerinnen. Zugegeben, diese Damen haben keinen Schnauzbart oder lassen sich mit Gummipömpeln umschießen, aber sie sind trotzdem nett. Zwischen so viel Jugendlichkeit habe ich beim Durchwandern der vier Messehallen jeden meiner alten Knochen gespürt. Das Jungvolk hüpfte, während mir schon beim Zusehen schwarz vor Augen wurde. Bei Daniel daddelt findet Ihr ausführlichere Bewertungen der Spiele. Weitere Fotos von der Gamescom gibt es nach dem Klick.

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