bar_duesseldorf

Wenn Männer Frauen die Welt erklären und wir schweigen, obwohl wir es besser wissen, sind wir selbst am Dummchen-Image schuld. Auf einer Party am Samstag stand ich herum und nippte müde an meinem Orangensaft bis ein Bekannter – einige Jahre älter als ich und ein wenig Macho – mich ansprach und meine Dummchen-Theorie mit geschwätzigem Leben füllte. …

Experte für Alles

Der Auslöser: Ich erzählte vom Pech, wenn Menschen das Vergnügen verwährt wird, ihre Rente auszugeben, weil sie mit 66 oder 67 Jahren sterben. Promt hob mein Gesprächspartner die Stimme an, um den Sachverhalt richtig zu rücken. Er warf mit vermeintlichem Fachvokabular aus der Soziologie herum, von dem ich in 35 Semestern Sozialwissenschafts-Studium nichts gehört hatte. Ich schwieg dazu, machte vielleicht ab und zu ein irritiertes Gesicht, weil das dann doch zu viel Unsinn für mich war. Dies war für ihn das Zeichen, mir ein bestimmtes Detail noch einmal genauer zu erklären.

Frauen, die wo dumm tun

Ich fühlte mich wie eine der Frauen bei Kunstausstellungen. Sie tragen schwarze Rollis und farbig umrandete Brillen: die äußeren Insignien einer promovierten Kunsthistorikerin. Die Brillenträgerinnen werden von ihrem männlichen Begleiter – der immerhin in der Oberstufe einen Kunstgrundkurs besucht hat – an der Hand von Bild zu Bild geführt. Vor dem jeweiligen Werk hören sich die promovierten Kunsthistorikerinnen dann jede Menge Unsinn zu Picasso, Chagall oder Matisse an und nicken brav zu ihrem Begleiter hinauf.

Selbstverständlich habe ich meinen Gesprächspartner auf der Party nicht über seine Irrtümer aufgeklärt, denn das wäre unhöflich und würde ihn bloßstellen. Später kam der Ärger über mich selbst und meine Rücksichtnahme. Denn zu jedem Angeber gibt es den passenden Gegenpart, der ihn füttert. Bei der nächsten Party räche ich mich und halte dem erstbesten Kerl, der mir in die Quere kommt, einen langen Vortrag zum Thema Abseits…oder Bohrmaschinen. Mal sehen, ob Dummchen-Rücksichtnahme geschlechtsspezifisch ist. Und nein, lieber Schwätzer: dies wird kein soziologisches Experiment!