Bisher wussten wir nur von Wenigen, ob sie es unten herum gerne lang und flauschig haben oder kahl und glatt. Die Rasur des Intim-Bereichs war Privatsache, gerät aber jetzt per Medien ins Licht der Öffentlichkeit. Spiegel-Autor Manfred Dworschak wagt einen kritischen Blick in die Unterhosen der Nation und ist wenig begeistert. Da ist dem Menschen nur kärgliche Behaarung seines einst prächtigen Pelz geblieben und er rückt dem Gesprießten mit Schaum und Klinge zu Leibe. …

Verlässliche Statistiken über Intim-Rasierer gibt es kaum, doch ein sicheres Zeichen: selten sah man so viele Enthaarungsstudios in den Stadtzentren. Dworschak schreibt: „Dass die normal behaarte Scham praktisch nicht mehr akzeptabel sei, kann die Jugend den Medien entnehmen. Eine Studie nach der anderen schürt diesen Glauben – und finanziert sind sie meist von Firmen wie Gillette, Philips und Wilkinson, die mit der Enthaarungsmode gute Geschäfte machen.“

So sein wie die anderen

Selbstverständlich treibt uns Menschen die Sorge an, von der Norm abzuweichen. Die Psychologie hat den schönen Ausdruck Need to Belong dafür gefunden, den Wunsch, dazu zu gehören. Dank Youtube können wir uns heute nicht nur an der Kleidung anderer orientieren. Ob wir uns den Kopf oder den Intim-Bereich frisieren, macht keinen großen Unterschied. Die Fläche, auf der wir uns austoben dürfen, hat sich vergrößert. Wer an sich zweifelt, wird mehr finden können.

Ich glaube kaum, dass sich durch die neue Aufmerksamkeit für bisher unerreichbare Körperteile die Kundschaft der Schönheitschirurgen merklich vergrößern wird. Wer bisher mit seinem Gesicht und seiner Figur zufrieden war, den werden die Dos and Don’ts für Untenrum nicht verstören können. Ich mag den Titel, den Manfred Dworschak für seinen Artikel gewählt hat: Das zweite Gesicht. Eine große Wende bei der Selbstwahrnehmung scheint uns meiner Meinung nach nicht bevorzustehen.

Und hier findet Ihr den Artikel aus dem Spiegel von Manfred Dworschak.