In den meisten Kleidern des Jugendstils konnten Frauen ausschließlich mit Contenance ein Tässchen Tee auf der Sofakante genießen, nicht aber die Welt erobern. Wer als Dame der Oberschicht das Geld dafür hatte, trug reichlich Rüschen, Volants und Korsett. Coco Chanel holte die überhöhte Frau mit kürzeren Röcken und praktischeren Schnitten zurück auf die Erde. Die junge Modeschöpferin erkannte, dass weniger Schmuck kein Verlust der Eleganz bedeutete. Chanelkostüm oder Hosenanzug, gesteppte Handtasche und lange Kunstperlenschnüre wurden die Insignien der freien Frau der 20er Jahre. Ab 1921 rochen Frauen nicht mehr nach Blümchen, sondern dank Chanel №5 endlich erwachsener. Weiter mit Fotos und Text geht es unten nach dem Klick …

Für ihr später berühmtes Parfüm war Coco Chanel bereit, alles zu tun – auch sich die Repressalien der Nazis im besetzten Frankreich zunutze zu machen. Ohne ihren Ehrgeiz und eine gewisse Portion Rücksichtslosigkeit hätte die Näherin sich nie zur bekannten Modedesignerin hochgearbeitet. Doch letztendlich war es dieser harte Charakterzug, der Coco Chanel in die Nähe der Nazigrößen des Dritten Reichs führte. Die Franzosen konnten das ihrer Modeikone lange nicht verzeihen. Ich bin gespannt, wie Audrey Tatou mit diesem Charakter umgegangen ist.

Am 13. August startet der Kinofilm Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft. Auf den Setfotos versprüht Schauspielerin Audrey Tatou ihre bezaubernde Ausstrahlung. Schaut man sich alte Filmaufnahmen der echten Coco an, bin ich mir nicht sicher, ob ich sie so wie die Schauspielerin hätte ins Herz schließen können. Die Filmkostüme sind teils Originale, die vom Modehaus Chanel zur Verfügung gestellt wurden.

Linktipps:

Beim Modepilot gibt es die ganze Woche über Interviews mit Audrey Tatou und andere Specials zum Film.

Auch Streetrunway widmet sich in dieser Woche ausgiebig Coco Chanel und präsentiert zum Beispiel eine Biografie der Modedesignerin.

Fotos: Warner Bros.