Meinen beiden Großmüttern verdanke ich zwei Eigenschaften, die sich oft gegenseitig im Wege stehen: die Liebe zu gutem Essen und zu einer sportlichen Figur. Während meine südamerikanische Großmutter weniger selbst kochte, war die andere passionierte Löffelschwingerin. Sie stammte aus der Kaschubei, der Küstenregion nördlich von Danzig, wo es zum guten Ton gehört, Gästen jeden Abend mindestens Vorsuppe, Hauptgericht und Nachtisch vorzusetzen. Zu jedem Essen werden eingelegte Gurken gereicht, mal salzig, mal süß oder sauer. Da jede dieser Gurken nur etwa zwei Kalorien aufbringt, habe ich während meines Urlaubs einen halben Vorratskeller Gurkengläser leer gegessen. Wegen des Hochwassers nach starken Regenfällen stand eben jener Vorratskeller unter Wasser und für jedes Gurkenglas mussten meine geduldigen Gastgeber in Gummistiefeln bis zum Regal waten. Ihr Bemühen belohnte ich mit pantomimischen Darstellungen meiner Begeisterung für das Essen. Aber viele sprachen auch ausgezeichnet Deutsch. Es ist wunderschön in fast jeder Ecke der Welt Verwandte zu haben.

Fotos: Patricia Guzman / Lifestyle Bunny