Mode von Charlie le Mindu

Was Charlie le Mindu bei der London Fashion Week für Herbst und Winter 2011 präsentierte soll provozieren. Doch so richtig ärgern lässt sich das heutige Publikum nicht. Zumindest schaut die Öffentlichkeit mit interessiertem Kopfschütteln auf die Entwürfe in bösem Schwarz, unschuldigem Weiß, Blutspritzern und Nacktheit – mehr auch nicht. Alles ist ein wenig zu gewollt für meinen Geschmack, denn nicht, weil wir uns von einer entblößten Brust kaum provozieren lassen, muss jetzt Pornografie mit Fetisch und Gewalt kombiniert werden.

Was kann heute noch provozieren? Sicherlich keine Steigerung von Altbekanntem ins Unerträgliche hinein. Dadurch verwandeln sich Tabus in Klischees. Es ist eher das provokante Hinterfragen, dort, wo niemand aufmuckt, das uns als Publikum zum Weiterdenken anregt. Charlie le Mindu hat zumindest erkannt, wie wichtig es ist, auch mit Mode eine Geschichte zu erzählen, die Entwürfe in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, die er mit seinem Auftritt in Schlachterschürze bei der Show auf der London Fashion Week abgeschlossen hat. Aber wir als Publikum wollen uns nicht in Ekel ab- und dem nächsten Plausch übers Wetter beim Latte Macchiato zuwenden. Deswegen wäre beim nächsten Mal ein dezenteres Hinweisen auf die Problemzonen unserer Gesellschaft sinnvoller. Besser, man winkt uns mit leiser Kritik, als dass man uns die volle Breitseite der Provokationskeule spüren lässt.

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Carlie le Mindu nutzt gerne die Unschuldskraft von weißem, kuscheligem Fell und kombiniert das ganze mit entblößter Haut.

Immer wieder tauchen Elemente auf, die an NS-Uniformen erinnern.

Fotos: Blow, London Fashion Week, 2010