Artikel zum Thema Modebloggen bei Vice

Selbstreferenziell zu schreiben, wiedert mich an. Es kommt einem Bekenntnis zum Narzissmus gleich. Diese Eigenschaft besitzen wir Blogger alle, ich weiß, aber es ist uncool, es zuzugeben. Womit wir gleich beim Thema sind. Modeblogs drehen sich ums perfekte virtuelle Ich. Oftmals ist es weit von dem Wesen entfernt, was sich tagtäglich durch die Realtität quält. Das ergibt dieses ungute Gefühl in der Magengegend, von dem Therapeuten so gerne als Dissonanz sprechen und was vielleicht die ein oder andere in die Depression treibt. Aber den meisten von uns macht es Spaß, anderen zu zeigen, wie man gerne wäre. Und es zieht Aufmerksamkeit auf sich.

„Kein Schwein interessiert sich mehr für Modeblogs“ überschreibt Verena Bogner ihren neuesten Beitrag für Vice. Doch wir finden unsere Leser. Sie geben vor, auf der Suche nach Stiefeln oder farblich passenden Shirts zu ihrer neuen Hose zu sein. Sie wollen Inspiration – die bekommen sie auch reichlich. Vielleicht weniger, was das Anziehen betrifft. Mehr soll es ein kleines bisschen neidisch machen. Natürlich sind Modebloggerinnen dabei immer nett zu ihren Lesern. Sie lassen ihre Fans teilhaben an ihrem schönen Alltag, geben sozusagen ab.

Aber wie schreibt Verena in ihrem Artikel? „Niemanden interessiert, wie oft in der Woche du dich nach deinem Praktikum mit einem veganen Eis belohnst, für das du eine Stunde anstehen musstest oder wie oft du mit deinen coolen Bloggerfreunden beim Brunch darüber philosophierst, welchen Mehrwert eure kulturell und gesellschaftlich wichtige Arbeit hat. Wir alle essen. Es macht dich also verdammt noch mal zu nichts Besonderem, dass du eines deiner Grundbedürfnisse stillst.“ Dagegen muss ich mich entschieden wehren. Es ist etwas besonderes. Deswegen starren so Viele auf jede drapierte Nudel im Designerschüsselchen. Wobei ich nicht sagen kann, sind sie jetzt neidisch aufs Designerschüsselchen oder die Nudel? Oder vielleicht aufs aufgeräumte Drumherum? Oft essen wir nur veganes Eis, um darüber anschließend bloggen zu können.

Wer Modeblogs bierernst nimmt, ist selbst schuld. Wir neigen immer zum sozialen Vergleich zwischen uns dem Leser und der Schreibenden. Aber dem hält noch nicht einmal die coole Modebloggerin stand. Weder kann ich mir die tollen Möbel leisten noch treibe ich mich auf der Fashionweek rum. Es macht uns diabolischen Spaß, andere ein wenig neidisch zu machen.