900 Modedesignstudenten von 32 Schulen haben in der vergangenen Woche ihre Entwürfe auf der chinesischen Modewoche präsentiert, zur „China Graduate Fashion Week 2015“. Noch immer ist es die große Zahl, die uns aus dem fernöstlichen Land beeindruckt. Aber dort, wo man früher zu Gleichschritt im Einheitslook tendierte, ändert sich vieles. Die Thronfolger der Einkindpolitik werden erwachsen. Nie mussten sie sich innerhalb ihrer Familie der Mehrheit unterordnen. Und das wird heute weithin sichtbar. Jeder der 900 jungen Menschen scheint auf der Suche nach einem eigenen Weg zu sein. Einflüsse der Modewelt sind erkennbar – aber kaum ein Entwurf ähnelt dem anderen – auch bei Gruppenarbeiten gibt es große Variationsbreiten. So etwas wie einen landestypischen Look kann ich nicht ausmachen. Bei so vielen kreativen Köpfen mag der ein oder andere weniger begabte darunter sein, aber es gibt wahnsinnig viele großartige Talente aus China. Das Reich der Mitte hat sich aufgemacht, die Zentralen der Modewelt zu erobern. Muss sich der demokratische Westen von der neuen Generation eines sozialistischen Staates zeigen lassen, was Indivualismus bedeutet? China selbst scheint sich da noch unsicher zu sein. Denn zu viel Einzelgängertum vermeidet man: Die Namen der  Modedesigner sind kaum rauszufinden. Stattdessen werden die Schulen genannt.

In der Farbe Rot besteht bei diesen Entwürfen eine Bezug zum alten China wie auch zum Kommunismus. Aber die Form ist bizarr und fast wie die Indivdualität einzelner Schneeflocken. Die Herangehensweise unterscheidet sich zwischen der beiden ersten Entwürfen und den beiden folgenden deutlich.