Klar liebe ich Überraschungen. Solche Aussagen bedeuten immer, frisch flexibel auf jede neue Herausforderung zuzugehen. Aber eigentlich ist es gar nicht so. Finde ich abends einen kleinen Brief der Politessen unter meinem Scheibenwischer, gehört dies sicher nicht zu den oben genannten Herausforderungen. Aber es handelt sich trotzdem um eine Überraschung. Doch ich stelle mir anderes darunter vor. Mein Geburtstag naht. Ich liebe Geschenke, von denen ich nie gewusst habe, dass ich sie mir eigentlich sehnlichst wünsche. Quasi verlange ich von den Schenkern, dass sie mehr über meine Träume wissen als ich. Und ich selbst entwickle einen großen Ehrgeiz beim Aussuchen von Geschenken für andere. Deswegen fange ich jetzt schon an, mir den Kopf für Weihnachten zu zerbrechen.

Wie erfahre ich möglichst viel über andere? Ich habe in dieser Hinsicht eine Misch-Strategie. Zum einen gibt es die Möglichkeit, seinen Mitmenschen direkt Löcher in den Bauch zu fragen. Diese Methode ist meiner Meinung nach die unsportlichste. Aber ich frage trotzdem, „was wünschst du dir?“. Meine Schwester ist vor kurzem in ihr frisch renoviertes Haus gezogen und braucht jede Menge für ihren neuen Haushalt. Sie wird also direkt gefragt und ich bekomme eine exakte Antwort. Dagegen wird mein Bruder wieder wie alljährlich antworten: „Ich wünsche mir einen Hubschrauber oder einen Lastwagen“. Dafür steht mir zu wenig Budget zur Verfügung und er hat bereits seinen kleinen Modellhubschrauber bekommen. Ich muss mir etwas einfallen lassen. Dafür werde ich mir seine Sachen ansehen, die er bereits zu Hause hat und ihn diskret aushorchen. Die restlichen Familienmitglieder sind Mischtypen aus meiner Schwester und meinem Bruder.

Am liebsten beschenke ich Kinder. Mein Töchterchen und ihre Cousine sind die leichtesten Kandidaten und sicherlich an Weihnachten die glücklichsten. Und ich selbst? Ich träume von der klassischen Überraschung, verpackt in einem Schokoei. Warum lieber Hersteller der Überraschungseier, habt ihr eure Zielgruppe nicht bereits erweitert? Auch Erwachsene wollen überrascht werden. Wie wäre es mit einem Bastel-Kit: Man kauft zwei Schokoeierhälften und ein Plastikei, verpackt sein Geschenk darin und klebt mit einer süßen Paste das Ei wieder zu. Allein an solch einer Verpackung hätte ich Riesenspaß. Ich liebe Überraschungseier. In meinem letzten war ein wunderschöner Minion mit Gitarre. Das war eine super Überraschung.

Was mich im Leben bereits überrascht hat:

  • Eine kleine elektrische Eisenbahn zum 4. Geburtstag, ein Alter, in dem man das kaum zu schätzen weiß. Allerdings warten einige Väter sehnlichst auf den 4. Geburtstag ihrer Sprösslinge, zwecks Kauf einer Eisenbahn
  • Ein Plastikpuppenkopf, den ich schminken konnte und der sogar wachsene Haare besaß. Indem man an einem großen Rad drehte, wurde im Innern eine Haarsträhne abewickelt.
  • Die großen Duplo-Legosteine für meinen kleinen Bruder zu Weihnachten. Ich war dafür zu groß, spielte aber sehr gerne damit.
  • Ein Puppenkasperltheater. Ich inszenierte, meine Geschwister mussten zusehen.
  • Mein Uni-Aufenthalt in England
  • Ein Plüschgeier, sehr sympatischer Kerl mit Hang zu Aas.