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Als kleines Mädchen träumte ich von einem Prinzessinenkostüm zu Karneval. Leider ließ sich meine Mutter nicht davon überzeugen. Zu ihrem und meinem Image passte kein Mainstream. Von unserem Aufenthalt in Südamerika hatte sie den typischen Hut der bolivianischen Cholitas, und einige Ponchos mitgebracht. Trotz lautstarker Proteste wurde ich in einen wandelnden Hinweis auf Missstände der Dritten Welt verkleidet.

Gegen Mainstream

Die Vorbehalte meiner Mutter richteten sich weniger gegen die Monarchie als Staatsform. Stattdessen wies sie mich auf ein Überangebot an Prinzessinen im Kindergarten hin. Um diese Inflation an Hoheiten einzudämmen, bekam ich rechts und links Zöpfe mit pinkfarbigen Bändern geflochten. Dann zog mir meine Mutter mehrere Röcke übereinander an. Es soll Glück bringen, möglichst viele zu tragen. Auf den Rücken setzte sie mir eine Puppe in einem Schultertuch, der Hut kam auf den Kopf und ab ging es mit mir zur Karnevalsfeier in den Kindergarten. Da saß ich als Cholita zwischen Prinzessinnen in rosa Tüllkleidern mit Glitzerschminke im Gesicht und träumte davon, auch ein Krönchen tragen zu dürfen.

Ob ich die Welt auf die Siutuation der indigenen Bevölkerung Südamerikas aufmerksam machte, war mir damals egal. Aber ich habe bei meiner Mutter wertvolle Vorarbeit für Nachfolgende geleistet. Denn selbstverständlich durfte meine kleine Schwester sich später zu Karneval als Prinzessin verkleiden. Jetzt ist Karneval vorbei und ich habe wieder nicht meine Chance genutzt. Nächstes Jahr bin ich Prinzessin mit Tüllrock und einer Krone auf dem Kopf.