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Casual Friday: Geheimnisse

Es gibt jede Menge Dinge, die die Welt nicht über uns wissen darf. Oder doch? Mary Lamberts Song „Secrets“ verrät einiges über das bewegte Leben der 25-Jährigen – und darüber, was man auch heute noch nicht allen erzählen kann: Mary wiegt zu viel, ist immer zu spät, eine bipolare Störung gehören genauso zu ihr wie ihre Homosexualität oder ihre Angst vorm Zahnarzt. Das ganze ist nur ein „So what?“ und ein Achselzucken wert.

Was soll ’s! Liebe Mary, in meinem langen Leben gab es schon viele Geheimnisse, die mir Leute über sich verraten haben. Ich vergesse leider sehr schnell.  Was mir im Kopf bleibt, ist diese ungeahnte Fröhlichkeit, die Du austrahlst, obwohl Du schon so viel erlebt hast und es sicher nicht einfach für Dich war. Ich würde mich nicht als besonder unvoreingenommen gegenüber Geheimnissen bezeichnen. Ich bin wirklich nur vergesslich. Das Vido zu Mary Lamberts „Secrets“ gibt es nach dem Klick …

Shopping-Tipps für die Bahnreise

Shopping-Tipps für die Bahnreise



In meiner Vorstellung schlängelt sich die Eisenbahn gemächlich durch die Landschaft. Ich denke dabei an Dampfwolken, Bahnsteige, auf denen Männer in Trenchcoats und Frauen mit Hüten warten, an Fenstergardinen und Abteile, wo man noch Knie an Knie sitzt. In Wirklichkeit schlängeln wir uns in Hochgeschwindigkeit durch die Welt. Die Moderne hat uns eingeholt. Wie im Flugzeug sitzen die Passagiere hintereinander und sind in tragbare Elektronik vertieft. Aber mit nostalgischem Ambiente dürfen wir uns trotzdem gerne umgeben. Ich liebe diesen Science-Fiction-Retrolook. – Fotos dazu seht Ihr nach dem Klick. – Ein Woll-Kaschmirmantel in beige passt gut zur klassischen Bahnreise. Der Trolly muss sein. Ich weiß, früher hat frau ihre Koffer tapfer getragen, aber auf  heutigen Komfort mag ich nicht verzichten. Zumindest weist dieser Rollkoffer eine schicke Retro-Alu-Optik auf. Dann brauchen wir in jedem Fall eine Armanduhr, um nachzuschauen, wann endlich der Zug kommt. Wer würde es wagen, in diesem Fall sein Handy zu zücken? Die schicken Ledersneaker helfen und beim Rennen, falls es doch mal knapp werden sollte. Und in der Zugtoilette machen wir uns dann mit der Reise-Kosmetik wieder schick. Anschließend ein Abendessen im Speisewagen und es geht zum Nickerchen in den Schlafwagen.

Reiselektüre

Reiselektüre

Bahnreisen dauern ein wenig länger und bieten damit ungeahnte Möglichkeiten: Zeit zum Lesen. Ich war fünf Stunden lang nach München unterwegs. Ab und an habe ich den vielen Bäumen an der Bahnstrecke hinterher gesehen und mich dann wieder in Spiegel und Neon vertieft. Aus beiden Zeitschriften möchte ich Euch je einen Artikel ans Herz legen:

Neon

Jakob Schrenk macht sich für Neon  auf, der Damenwelt das Händchenhalten beizubringen. Der Autor fährt nach Wolfsburg, um am internationalen Armwrestling-Wettbewerb „Over The Top“ teilzunehmen. Dort soll er gegen Laura Branding im Armdrücken antreten. Ja, seine Herausforderin ist eine Frau, die jeden Männerarm umhaut. Das lässt sich Jakob Schrenk mit Bravour gefallen und schreibt über seine Erlebnisse in der vermeintlichen Macho-Armdrücker-Welt einen der wunderbarsten feministischen Artikel, den ich je gelesen habe. Was lernen wir daraus? Frauen sind stärker als Männer. Aber sich daraus nichts zu machen, ist die große Stärke des Mannes. (Jakob Schrenk, „Halt meine Hand, Baby“, Neon, Februar 2015, S. 86)

Spiegel

Für den Spiegel (31.011.2015) vergleichen Ann-Kathrin Nezik und Michaela Schießl zwei Modewelten miteinander: Das amerikanische Upper-Class-Label Abercrombie & Fitch und die Pragmatiker-Marke Zara. Verständlich wird, dass sich Abercrombie & Fitch an der eigenen Hipness verschlickt hat, während Zara Trends auf der Straße hinterherspürte. (Ann-Kathrin Nezik und Michaela Schießl, „Hip und ex“, Der Spiegel, 6/2015, S. 68)

Fotos: Lifestyle Bunny / Patricia Guzman

 

 

Bin ich verrückt?

Waschmaschine_2

Bald darf ich raus in die weite Welt. In den kommenden Tagen werde ich wegfahren, für meinen Job. Männer würden das ganze Dienstreise nennen. Für mich sind es zunächst fünf entspannende Stunden im ICE. Dort bin ich gezwungen nichts zu tun. Weder lassen sie mich die Zugfenster putzen, noch schleppe ich einen Laptop um virtuell fleißig zu sein.  Stattdessen werde ich jeden an meinem Zugfenster vorbeihuschenden Baum hinter hergucken und zwischendurch in meinem analogen Buch blättern oder ein Nickerchen machen. Aber vielleicht wird tief in mir drin eine Ahnung nagen – die Ahnung, dass ich den Haushalt doch nicht so perfekt hinterlassen habe, wie ich es selbst von mir verlange.

Mein Problem: Bis es soweit ist und ich im Zug sitze, läuft der häusliche Countdown ab. Ich schrubbe und poliere, kaufe ein und schmeiß die Waschmaschine an. Schließlich weiß man nicht, ob in den zwei Tagen, die ich unterwegs bin, die Unterhosenverknappung ausbricht oder jeder Supermarkt im Umkreis ausverkauft ist. Es könnte auch sein, dass die Welt untergeht. Undenkbar, wenn da nicht die Küche geputzt wäre.

Ich denke, es gibt einen grundlegenden Unterschied, ob Männer Dienstreisen machen oder Frauen „für den Job unterwegs“ sind. In den ersten beiden Jahren meines Studiums habe ich nebenbei in einem Hotel gearbeitet, in dem viele, fast ausschließlich männliche Geschäftsreisende übernachteten. Keiner von ihnen machte den Eindruck, als hätte er vor seiner Abreise für seine Familie zu Hause die Fußböden poliert und Wäscheberge gebügelt, bevor er sich für ein paar Tage wegtraute. Die Herren waren  entspannt. Kaum einer griff zum Telefon, um zu Hause zu fragen, ob alle Ohren geputzt oder genug Gemüse gespeist wurden.

Immer wieder sage ich mir, nimm Dir ein Beispiel an anderen: Mach die Tür hinter Dir zu und vergiss das Chaos. Genieße den Anblick eines jeden Baumes an der Bahnstrecke. Aber ich werd es nicht sein lassen können: Abends greife ich zum Telefon, werde fragen, ob mein Töchterchen endlich eine freie Nase hat, werde Tipps und Befehle erteilen und fragen, ob alle Ohren geputzt sind. Selbstverständlich werde ich auch Spaß haben. Ab und an nagt es tief in mir drin.

Foto: Lifestyle Bunny / Patricia Guzman

H&M Design Award 2015: Ximon Lee

H&M Design Award 2015: Ximon Lee

Zum ersten Mal hat 2015 ein Designer mit einer Herrenkollektion den H&M Design Award gewonnen. Ximon Lee stammt ursprünglich aus Hongkong, lebt jetzt in New York und hat dort gerade die Parsons School of Design abgeschlossen. Jetzt präsentiert der 24-Jährige seine Männermode auf der Fashion Week Stockholm.

Ein bisschen verwundert es schon: Während andere Modedesigner immer noch die metrosexuelle Seite des Mannes herausstellen, konstruiert Ximon Lee ein überhöht männliches Bild. Jede Rundung – und sei sie noch so klein – biegt er in gerade Formen. Fast sieht es aus, als würden Quader über den Catwalk spazieren. Die Schultern sind breit und eckig, darunter fällt der Stoff steil nach unten. Manchmal betonen Streifen zusätzlich die Senkrechte. Wie andernorts auch nutz Ximon Lee den Lagenlook – aber auf eine andere Weise. Er schichtet Stoffe übereinander, als wolle er damit gewaltige Bauwerke schaffen. Die Zitate aus der Architektur sind unverkennbar.

Wenn Ximon seine Kollektion im Herbst in die H&M-Läden bringen möchte, wird er dem Monumentalen ein wenig Filigraneres abzwingen müssen. Sein Materialmix, seine Farbwahl und sein Formverständis versprechen Interessantes. Noch ist seine Mode abstrakt wie ein Piet-Mondrian-Gemälde.

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Alle Fotos: H&M, Januar 2015