Fashionfilm „The Wedding“

Der Fashionfilm ist mittlerweile eine Gattung für sich und zeigt im Bewegtbild, was bisher nur als Foto wirken musste. Das kann bereichern – tut es nur nicht immer. Es gibt Bilder, die ihre Spannung dadurch erzeugen, dass der Betrachter weder weiß, was vorher passiert, noch was danach kommt. Sie erzählen einen Bruchteil einer Geschichte und überlassen alles weitere der Vorstellungskraft. Beim Fashionfilm „The Wedding“ sollte dies auch so sein, doch das gemeinsame Warten mit der Braut auf ihren Göttergatten wird auf Dauer ein bisschen langweilig. In dem Moment, in dem Abbey Lee als Frischvermählte den Dolch gegen die Hochzeitstorte hebt, wünsche ich mir nichts sehnlicheres, als dass sie kräftig zustößt. Ich will die Sahne fliegen sehen. Stattdessen schleckt die Braut am Messer, schnappt brav an den dargebotenen Trauben und macht im barock-üppigem Ambiente weiterhin ein Schmollmündchen. Bei Ellen von Unwerth sind wir böseres gewohnt. Wollte sie mit dem Film an den Softporno der 1980er erinnern? Das funktioniert visuell – und leider auch auf der dramatischen Ebene. Die Drehbücher genannter Filme hatten ähnlich viel Inhalt.

 

Mode-Kunst aus Fernost

900 Modedesignstudenten von 32 Schulen haben in der vergangenen Woche ihre Entwürfe auf der chinesischen Modewoche präsentiert, zur „China Graduate Fashion Week 2015″. Noch immer ist es die große Zahl, die uns aus dem fernöstlichen Land beeindruckt. Aber dort, wo man früher zu Gleichschritt im Einheitslook tendierte, ändert sich vieles. Die Thronfolger der Einkindpolitik werden erwachsen. Nie mussten sie sich innerhalb ihrer Familie der Mehrheit unterordnen. Und das wird heute weithin sichtbar. Jeder der 900 jungen Menschen scheint auf der Suche nach einem eigenen Weg zu sein. Einflüsse der Modewelt sind erkennbar – aber kaum ein Entwurf ähnelt dem anderen – auch bei Gruppenarbeiten gibt es große Variationsbreiten. So etwas wie einen landestypischen Look kann ich nicht ausmachen. Bei so vielen kreativen Köpfen mag der ein oder andere weniger begabte darunter sein, aber es gibt wahnsinnig viele großartige Talente aus China. Das Reich der Mitte hat sich aufgemacht, die Zentralen der Modewelt zu erobern. Muss sich der demokratische Westen von der neuen Generation eines sozialistischen Staates zeigen lassen, was Indivualismus bedeutet? China selbst scheint sich da noch unsicher zu sein. Denn zu viel Einzelgängertum vermeidet man: Die Namen der  Modedesigner sind kaum rauszufinden. Stattdessen werden die Schulen genannt.

In der Farbe Rot besteht bei diesen Entwürfen eine Bezug zum alten China wie auch zum Kommunismus. Aber die Form ist bizarr und fast wie die Indivdualität einzelner Schneeflocken. Die Herangehensweise unterscheidet sich zwischen der beiden ersten Entwürfen und den beiden folgenden deutlich.

 

Balmain goes H&M

Balmain goes H&M

H&M hat stolz den neuen Traumprinzen an seiner Seite präsentiert: Es ist Olivier Rousteing, der für das französische Haus Balmain steht. Das Luxuslabel geht für den Herbst 2015 eine Kollaboration mit H&M ein. Ich liebe bei Balmain den Hang zum Dramatischen. Die Spannung ist toll, ausgelöst durch einen kurzen Rock, aufregende Muster oder starke Farben, die plötzlich aus dem Dunkeln auftauchen. Wer für ausgesuchte High-Fashionistas entwerfen darf, freut sich auch auf die breite Masse mit ihren vielen Perspektiven. „H&M allows me the unique possibility of bringing everyone into the world of Balmain, get a piece of the dream and create a global #HMBalmaination“ sagt Olivier Rousteing. Ihm bietet die Zusammenarbeit die Möglichkeit, seinen Entwürfen auf der Straße zu begegnen. Doch wie macht man Hochglanz-Schick passend für die Geburtstagsparty der besten Freundin? Balmain goes casual? Wohl eher nicht. Aber ich bin sehr gespannt. Die Kollektion von Balmain für H&M kommt am 5. November 2015 weltweit in 250 Shops. Kendall Jenner und Jourdan Dunn durften vor zwei Tagen gemeinsam mit Olivier Rousteing die ersten Looks bei den Billboard Music Awards präsentieren. Ich wünsche mir weniger Glitzer und Overknees. Sonst kommt der Veradacht auf, Olivier hätte den Ruf der Straße allzu wörtlich genommen. Hoffentlich bewahrt sich Balmain die dramatische Eleganz.

Balmain x H&M

Wintermode: Robert Kalinkin

Wintermode: Robert Kalinkin

Ein Blick in die Zukunft: Der Winter liegt in weiter Ferne und genauso unwirklich futuristisch wie zurzeit die kalte Jahreszeit wirkt die Mode von Robert Kalinkin. Aus Litauen stammt der Modedsigner mit Faible für starke Unterschiede. Denn so hell sich seine Sommermode präsentiert – für den Winter tendiert er zu dunklen Farben im Kontrast zu Weiß oder starkem Rot. Mit Hilfe von Nähten arbeitet Robert in große unifarbene Flächen reliefartige Muster ein oder er nutzt gemusterte Stoffe, die an Brokat erinnern. Entfernt muss ich an die ersten Entwürfe zu Alien – der Urmutter aller düsteren Science Fiction – von HR Giger denken. Zu welchen Materialien Robert greift, konnte ich leider nicht herausfinden. Aber ich vermute hier kam Kunstleder zum Einsatz. Wie eine zweite Haut zieht sich jedes Kleidungstück daraus über den Körper. Dazu kombiniert Robert weiter fallende Schnitte und feinere Stoffe. Hier ist ein Blick ins Lookbook für den Herbst und Winter 2015 / 2016.

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Fotos: Gertruda Varnaite für Robert Kalinkin

 

Sydney Fashion Week: Toni Maticevski

Wer mag hier noch von Lagenlook sprechen? Toni Matičevski türmt Stoffe übereinander. Muster spielen bei ihm eine Nebenrolle. Eher begeben wir uns auf eine Neuentdeckung des Faltenwurfs. Natürlich braucht ihr für solch große Roben die entsprechende Bühne und eine Begleitung, die Euch beim Entsteigen der Limousine die Hand reicht. Falls Ihr einen Ausflug auf den Red Carpet plant, wäre das vielleicht etwas für Euch? Oder habt Ihr das Bedürfnis, Euer Haar in Schnecken zu drehen und mit einem Raumschiff zu entgleiten wie bei Star Wars? Ja, ein wenig erinnert mich die Mode von Toni Matičevski an Prinzessin Leia. Im Gegensatz zum Trend nimmt seine Garderobe viel Raum ein und betont weniger die natürlichen Umrisse. Wer den Anblick live genießen wollte, hätte sich auf zur Fashion Week in Sydney machen müssen. Der australische Designer bringt nach seiner Arbeit für Donna Karan und Cerruti unter eigenem Namen Mode auf die Laufstege in Down Under. Toni Matičevski ist in Australien kein Unbekannter. Für mich ist es eine spannende Neuentdeckung – ein wenig unschlüssig bin ich noch. Fotos gibt es nach dem Klick oder weiter unten.

Sonnenreif

Bei so viel Sonne möchte ich am liebsten sofort und auf der Stelle in T-Shirts und Flipflops rumlaufen. Doch der viele Schein trügt ein wenig, denn ganz so warm ist es draußen noch nicht. Die Sommermode muss noch im Schrank warten. Aber zumindest fürs Auge können wir uns den Anblick von luftig Leichtem gönnen. Da kam mir eine Mail des Labels Gina Tricot gerade recht. Das schwedische Modeunternehmen kooperiert mit skandinavischen Bloggerinnen und hat nach einer Kooperation mit Pernille Teisbaek jetzt Emma Elwin um kreative Zusammenarbeit gebeten. Vor allem um nachhaltige Mode geht es der schwedischen Öko-Verfechterin Emma. Im Interview zitiert sie Vivienne Westwood: „Buy less, choose well, make it last“ Ein Motto, das ich bereits seit Jahren befolge. Am besten gefällt mir das lange orange Kleid, das Ihr nach dem Klick oder weiter unten zu sehen bekommt. Hier ist ein entspannender Blick ins Lookbook.

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Fotos: Emma Elwin, Gina Trico, Sommermode 2015